Brückentage

Ratgeber

Was sind Brückentage und wie plant man sie richtig?

Die kurze Antwort: ein Brückentag ist der Arbeitstag, der zwischen einem gesetzlichen Feiertag und dem Wochenende übrig bleibt. Trägt man ihn als Urlaub ein, wachsen Feiertag und Wochenende zu einer durchgehenden freien Strecke zusammen. Die lange Antwort handelt davon, warum der deutsche Feiertagskalender das besonders lohnend macht — und wo die Rechnung Grenzen hat.

Der Mechanismus

Gesetzliche Feiertage liegen in Deutschland fast alle auf festen Daten. Der 3. Oktober ist jedes Jahr der 3. Oktober, egal welcher Wochentag das ist. Die Folge: Feiertage landen regelmäßig mitten in der Woche und lassen einen oder zwei Arbeitstage zwischen sich und dem Wochenende stehen. Diese Tage sind der Brückentag.

Das klassische Beispiel ist Christi Himmelfahrt. Der Tag fällt immer auf einen Donnerstag — 39 Tage nach Ostern. Ein einziger Urlaubstag am Freitag danach ergibt vier zusammenhängende freie Tage. Liegt ein Feiertag auf einem Dienstag, kauft der Montag davor dasselbe. Und bei Weihnachten, wo zwei Feiertage direkt aufeinander folgen, wächst der Hebel auf neun oder zehn Tage.

Der Begriff ist so etabliert, dass er im Duden steht. In Österreich heißt dasselbe Fenstertag, in Frankreich faire le pont, in Italien fare il ponte — die Brücken-Metapher ist in ganz Europa dieselbe.

Die neun bundesweiten Feiertage

In allen 16 Ländern gelten: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit sowie der erste und zweite Weihnachtstag. Vier davon sind beweglich und hängen am Osterdatum, fünf liegen auf festen Daten.

Dieser Planer rechnet nur mit diesen neun. Das ist bewusst konservativ: das Ergebnis stimmt dann überall in Deutschland und ist nie zu optimistisch.

Landesfeiertage kommen obendrauf

Alles jenseits der neun ist Landesrecht, geregelt in den Feiertagsgesetzen der Länder. Je nach Bundesland — teils sogar je nach Gemeinde — kommen bis zu fünf weitere Tage hinzu:

FeiertagDatumGilt in
Heilige Drei Könige6. JanuarBW, BY, ST
Internationaler Frauentag8. MärzBE, MV
FronleichnamOstern + 60BW, BY, HE, NW, RP, SL, Teile von SN und TH
Mariä Himmelfahrt15. AugustSL, katholische Gemeinden in BY
Weltkindertag20. SeptemberTH
Reformationstag31. OktoberBB, HB, HH, MV, NI, SN, ST, SH, TH
Allerheiligen1. NovemberBW, BY, NW, RP, SL
Buß- und BettagMittwoch vor dem 23. NovemberSN

Bayern kommt damit auf bis zu 13 Feiertage (in Augsburg mit dem Friedensfest auf 14), Baden-Württemberg auf 12, Berlin, Bremen und Hamburg auf 10. Eigene Seiten pro Bundesland sind geplant; bis dahin gilt: Ihr tatsächliches Ergebnis ist mindestens so gut wie das hier angezeigte.

Ihr gesetzlicher Urlaubsanspruch

Bundesurlaubsgesetz § 3 nennt 24 Werktage als Mindesturlaub. Werktage sind alle Tage außer Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen — die Zahl geht also von einer Sechstagewoche aus. Bei der üblichen Fünftagewoche entsprechen 24 Werktage 20 Urlaubstagen. Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag dürfen mehr geben, nie weniger; 28 bis 30 Tage sind in der Praxis verbreitet.

GrundlageUrlaubstage bei Fünftagewoche
gesetzlich20 Tage
häufig25 Tage
tariflich30 Tage

Wochenenden und Feiertage zählen nicht als Urlaubstage. Fällt ein Feiertag in Ihren Urlaub, wird er nicht abgezogen — deshalb sind „Urlaubstage“ in diesem Rechner immer Arbeitstage.

Was Deutschland von Großbritannien unterscheidet

Zwei Strukturmerkmale sorgen dafür, dass Planen hier überhaupt etwas bringt:

  • Feste Daten statt Montage. Großbritannien hat mit dem Banking and Financial Dealings Act 1971 die Bank Holidays auf Montage gelegt, die USA mit dem Uniform Monday Holiday Act 1968 dasselbe getan. Dort entstehen lange Wochenenden von allein und es bleibt nichts zu optimieren. In Deutschland liegen die Feiertage, wo sie liegen.
  • Kein Ersatztag. Wo Großbritannien einen substitute Monday nachschiebt, wenn ein Feiertag aufs Wochenende fällt, ist er in Deutschland ersatzlos verloren. Das macht die Jahre ungleich — und in den schlechten Jahren zählt jeder richtig gesetzte Urlaubstag doppelt.

Jahr für Jahr

JahrUrlaubFreiBlöckeFaktor
2027 20 Tage42 Tage5×2,2
2028 20 Tage50 Tage6×2,5

Gleicher Anspruch, unterschiedliches Ergebnis — weil sich jedes Jahr verschiebt, auf welchen Wochentag die Feiertage fallen. In Jahren mit vielen Wochenend-Feiertagen bringt Planung am meisten, weil dann kaum lange Wochenenden von allein entstehen.

Was ein einziger Urlaubstag schafft

Das Extrembeispiel, um den Hebel zu zeigen: ein Urlaubstag.

  • 2027: 4 Tage frei (1 Block, 1 Urlaubstage eingesetzt)
  • 2028: 4 Tage frei (1 Block, 1 Urlaubstage eingesetzt)

Fast immer ist das der Freitag nach Christi Himmelfahrt: ein Donnerstag-Feiertag ist der billigste Brückentag, den der Kalender zu bieten hat.

Wie man es praktisch angeht

  • Zwischen Oktober und Januar planen. Urlaubsanträge werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet, und die Brückentage sind die Tage, die zuerst weg sind. Wer im März plant, plant um die Kollegen herum.
  • Erst den Brückentag, dann die Reise. Ein Urlaubstag am richtigen Freitag ist mehr wert als drei in einer beliebigen Woche im Februar.
  • Das ganze Jahr auf einmal betrachten. Die einzeln besten Brücken ergeben zusammen nicht die beste Verteilung. Deshalb löst dieser Rechner nicht Tag für Tag, sondern das komplette Jahr in einem Durchgang.
  • Den Plan in den Kalender schreiben. Der .ics-Export auf den Jahresseiten legt jeden Block als ganztägigen Termin in Google, Apple oder Outlook ab; welche Tage Sie einreichen müssen, steht in der Terminbeschreibung.
  • Landesfeiertage selbst dazurechnen. Wenn bei Ihnen Fronleichnam oder Allerheiligen frei ist, prüfen Sie diese Wochen zusätzlich — es sind die Stellen, an denen Sie mehr herausholen als der Planer anzeigt.

Häufige Fragen

Werden Feiertage von meinem Urlaub abgezogen?

Nein. § 3 BUrlG zählt nur Werktage, und gesetzliche Feiertage sind keine Werktage. Ein Feiertag, der in Ihren Urlaub fällt, verlängert ihn effektiv.

Bekomme ich einen Ersatztag, wenn ein Feiertag auf ein Wochenende fällt?

Nein. In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Ersatzfeiertag. Fällt ein Feiertag auf Samstag oder Sonntag, ist er ersatzlos verloren. Nur wenige Tarifverträge sehen hier eine Kompensation vor.

Sind der 24. und 31. Dezember gesetzliche Feiertage?

Nein, beide sind normale Arbeitstage. Viele Tarif- und Betriebsvereinbarungen stellen sie ganz oder halbtags frei, ein gesetzlicher Anspruch besteht aber nicht. Dieser Planer rechnet sie deshalb als Arbeitstage — was Sie geschenkt bekommen, verbessert Ihr Ergebnis gegenüber der Anzeige.

Gilt die Rechnung für mein Bundesland?

Sie gilt überall, ist aber die Untergrenze: gerechnet wird mit den neun bundesweiten Feiertagen. Je nach Bundesland kommen bis zu fünf weitere hinzu, dann fällt Ihr Ergebnis besser aus.

Verfällt mein Urlaub am 31. Dezember?

Grundsätzlich ja, mit Übertragung bis zum 31. März bei dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen. Nach der Rechtsprechung von EuGH und BAG verfällt er jedoch nicht, wenn der Arbeitgeber Sie nicht rechtzeitig aufgefordert und auf den Verfall hingewiesen hat. Das ist kein Grund, bis Dezember zu warten — aber ein Grund, den Hinweis aufzubewahren.